Getting connected in Ghana

A typical setting in Ghana: the internet cafe as the main hub for online usage.

Telefonie, Mobilfunk und Internet sind auch für Westafrikaner keine Fremdworte mehr. Die meisten haben ein Handy, viele eine E-Mail-Adresse. Dennoch bleiben Auswahl, Vertragsunterzeichnung, Installation und Nutzung der Services eine nervenaufreibende Angelegenheit.

Wer sich schon einmal über den Service der Deutschen Telekom aufgeregt hat, der soll mich in Ghana besuchen kommen. Bei einem kühlen Getränk und unter einem hektisch drehenden Ventilator könnte ich ein paar Geschichten erzählen. Davon, wie weit das westafrikanische Land technisch eigentlich schon gekommen ist – und wie unvergleichlich kompliziert und teuer es sein dennoch kann, sich hier an Fest-, Mobil- und Online-Netze anzuschließen.

Beginnen wir mit dem einfachsten: dem Festnetzanschluss. Einfach, da die Festnetztechnologie alt und erprobt ist, und unser Haus deutlich sichtbar über physische Telefonleitungen verfügt. Von der Terrasse aus kann man sehr schön sehen, wie das Telefonkabel von einem morschen Holzmast vor der Grundstücksmauer elegant um die obersten Äste eines Mangobaumes gewickelt wurde und von dort quer übers Hausdach und an der Außenwand abwärts durchs Moskitonetz ins Wohnzimmer führt. Dem Makler, der uns das Haus vermittelt hatte, haben wir also gerne geglaubt, dass zwei Leitungen, eine fürs Telefon und eine fürs Internet, kein Problem sein würden.

Natürlich ist es doch ein Problem, kein technisches allerdings, sondern ein finanzielles. Nicht, dass Telefonieren an sich hier teuer wäre. Im Gegenteil, Anrufe von Ghana nach Deutschland sind wesentlich billiger als andersherum, und das ganz ohne obskure Call-By-Call Vorwahlen. Das Problem liegt ganz woanders. Die Telefonverbindung ist hierzulande Sache des Vermieters. Der so genannte Landlord, in unserem Fall eine Landlady, ist für die Leitung und damit auch fürs Begleichen der Telefonrechnung verantwortlich. Leider haben die Vormieter unseres Hauses die Landlady auf einer angeblich sehr hohen Telefonrechnung sitzen lassen, und sie ist verständlicherweise nicht bereit, die vierstellige Summe zu bezahlen.

New cellphone credits are available everywhere.

Die einzige hiesige Festnetz-Telefongesellschaft, Ghana Telecom, hat daher die Leitung gesperrt, und wer sie nutzen will, muss erst die alte Schuld begleichen. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Für solche – und andere – Fälle hat sich Ghana Telecom das „Smartfone“ ausgedacht, ein Festnetzersatz auf Mobilfunkbasis. Wo es keine Leitung gibt, mehr Leitungen benötigt werden, oder schlicht der Nummern-Pool erschöpft ist, kommt Smartfone zum Einsatz. Die Grundgebühr ist mit knapp 30 Euro pro Monat gesalzen, dafür entsprechen die Gesprächstarife den kostengünstigen aus dem Festnetz. Nur der Internetzugang ist mit der mageren GPRS-Bandbreite ist nichts für DSL-verwöhnte. Doch wo keine Konkurrenz, da auch keine Auswahl für den Kunden, und einen anderen Festnetzanbieter als GhanaTelecom gibt es nicht. Die Liberalisierung des Telefonmarktes hierzulande hat nur dazu geführt, dass jüngst Vodafone die staatliche Telefongesellschaft übernommen hat. Gespannt warten nun alle auf den Professionalisierungsschub.

Selbst, wenn eine Leitung existiert und diese auch prinzipiell funktioniert, kann der Weg zum Internet weit und beschwerlich sein. Für meinen Arbeitsplatz bei der staatlichen Medienkommission wollte ich den Online-Zugang anschaffen. Da für Investitionen dieser Art bestimmte Beschaffungsregeln gelten, wäre der erste Schritt ein so genanntes „Proforma Invoice“ gewesen, ein Kostenvoranschlag zum Vergleich verschiedener Anbieter. Der Besuch bei Ghana Telecom war jedoch ernüchternd. Die freundliche Mitarbeiterin teilte mir mit, sie könne mir allenfalls eine Rechnung ausstellen, aber dazu müsste ich erst einmal zahlender Kunde sein. Ich diskutierte, bettelte und drohte eine halbe Stunde – es half nichts. Ohne Proforma Invoice keine Bestellung, ohne Bestellung kein Anschluss und ohne Anschluss keine Rechnung. Eine echte Köpenickiade. Acht Wochen später lag auf meinem Schreibtisch ein Proforma Invoice von Ghana Telecom. Wie das dort hingelangte? Keine Ahnung. Bei meinem Besuch hatte ich weder ein Formular ausgefüllt, noch irgendwelche Kontaktdaten hinterlassen, höchstens meinen Arbeitgeber im Gespräch erwähnt. Das Erinnerungsvermögen von Ghana Telecom scheint elefantenhaft ausdauernd zu sein.

Glücklicherweise halten die meisten Ghanaer den Festnetzanschluss für überflüssig. Jeder hier in der Hauptstadt Accra scheint ein Mobiltelefon zu besitzen, wirklich jeder. Der Schreiner, dessen Werkstatt unter den Büschen am Straßenrand aus einem schiefen Tisch und einem Küchenkatalog besteht, und der auf Wunsch einfach die Bilder nachbaut. Die Straßenhändler, die mitten im wildesten Berufsverkehr Kaugummis, Nutella, Holzstühle, ghanaische Flaggen, Wasser in Tüten oder auch Ölgemälde verkaufen, sitzen in ihren Pausen am Straßenrand und tippen SMS. Sogar unseren Wächtern haben wir ein altes Handy ins Wachhäuschen gelegt, als Ersatz für die viel teurere Installation eines Haustelefons. Viele haben zwei Telefone, manche drei, unser Hausmakler zum Beispiel, der an einen durchgeknallten Spielautomaten erinnert, wenn alle gleichzeitig klingeln. Doch das ist die Großstadt: Landesweit haben nur etwa ein Drittel der Ghanaer einen Mobilfunkvertrag – egal ob Pre- oder Postpaid.

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